Pickerl §57a abgelaufen – Strafen, Fristen & Folgen
Was rechtlich passiert, wenn dein §57a Pickerl abgelaufen ist oder die Begutachtung nicht bestanden wurde – Fristen, Strafen und Versicherungsschutz im Überblick.
Läuft dein §57a Pickerl ab oder fällt die Begutachtung durch, drohen in Österreich Fristen, Verwaltungsstrafen und Folgen für den Versicherungsschutz.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Was: Rechtsfolgen bei abgelaufenem oder nicht bestandenem §57a Pickerl in Österreich
- Kompatibilität: Gilt für alle in Österreich zugelassenen Kfz – mit Sonderregeln für Taxis, Busse und Lkw
- Schwierigkeit: Kein technischer Aufwand, aber Fristen exakt einhalten
- Zeit: Toleranzfrist bis zu 4 Monate (Pkw) · Nachbegutachtung binnen 2 Monaten
Ein abgelaufenes §57a Pickerl ist kein Weltuntergang – rechtlich betrachtet aber auch kein neutraler Zustand. Wer die Begutachtungsfrist verpasst oder bei der Prüfung durchfällt, bewegt sich in einem klar geregelten Rahmen aus Toleranzfristen, Verwaltungsstrafen und – im Ernstfall – Folgen für den Versicherungsschutz. Dieser Ratgeber erklärt, was rechtlich passiert, wenn das Pickerl abläuft oder das Fahrzeug nicht besteht.
Wenn du wissen willst, wie die Begutachtung selbst abläuft, welche Kosten anfallen und wie du dich optimal darauf vorbereitest, findest du das in unserem Pickerl-Ratgeber im Detail. Hier geht es ausschließlich um die Rechtsfolgen danach.
Was passiert, wenn dein Pickerl abläuft?
Ein abgelaufenes §57a Pickerl bedeutet nicht sofort ein Fahrverbot. Für gewöhnliche Pkw gilt eine Toleranzfrist von vier Monaten nach dem Ablaufmonat, innerhalb der du die Begutachtung nachholen kannst, ohne dass eine Verwaltungsstrafe droht.
Die Plakette an deiner Windschutzscheibe zeigt Monat und Jahr, bis zu dem die Begutachtung spätestens fällig ist. Wer diesen Termin verpasst, hat in Österreich noch etwas Spielraum: Für Pkw der Klasse M1 (ohne Taxis, Rettungs- und Krankentransportfahrzeuge), Fahrzeuge der Klasse L, leichte Anhänger und historische Fahrzeuge (Oldtimer) erlaubt § 57a Abs. 3 KFG die Begutachtung bis zum Ablauf des vierten Kalendermonats nach dem vorgesehenen Begutachtungsmonat, außerdem schon ab Beginn des Vormonats. Das Gesetz nennt das nicht „Toleranzfrist“, der Begriff hat sich im Alltag aber eingebürgert und wird auch auf dieser Seite verwendet.
Wichtig ist der Unterschied zur regulären Begutachtung: Die Toleranzfrist verschiebt den Folgetermin nicht, sie ist der Zeitraum, in dem die Begutachtung nach dem Plakettenmonat noch nachgeholt werden darf. Wer auch diesen Zeitraum verstreichen lässt, riskiert Verwaltungsstrafen nach dem Kraftfahrgesetz.
Für Taxis, Omnibusse und die übrigen jährlich zu begutachtenden Fahrzeuge (zum Beispiel Lkw) gilt diese Kulanz nicht. Sie müssen lückenlos über eine gültige Begutachtung verfügen – hier drohen bereits am Tag nach Fristablauf Konsequenzen.
Gut zu wissen: Für Pkw (Klasse M1) gilt eine Toleranzfrist von vier Monaten nach Ablauf des Pickerls, für Oldtimer (Prüfintervall zwei Jahre) ebenfalls. Taxis, Busse und die übrigen jährlich zu begutachtenden Fahrzeuge haben keine Toleranzfrist.
Fahren mit abgelaufenem Pickerl – diese Strafen drohen
Nach Ablauf der Toleranzfrist gilt ein Fahrzeug ohne gültige §57a-Begutachtung als nicht verkehrssicher überprüft. Bei einer Kontrolle drohen Verwaltungsstrafen nach dem Kraftfahrgesetz – die Bezirksverwaltungsbehörde entscheidet über die konkrete Höhe im Einzelfall.
Wird ein Fahrzeug mit abgelaufenem Pickerl außerhalb der Toleranzfrist von der Polizei kontrolliert, drohen Verwaltungsstrafen. Der Strafrahmen beträgt nach § 134 Abs. 1 KFG bis zu 10.000 Euro, der ÖAMTC nennt das einen theoretischen Höchstbetrag, der sowohl Zulassungsbesitzer als auch Lenker treffen kann. Die genaue Höhe hängt vom Einzelfall ab – etwa davon, ob es sich um eine Erstkontrolle handelt oder ob zusätzliche Mängel am Fahrzeug festgestellt werden.
Sowohl der Lenker als auch der Zulassungsbesitzer können zur Verantwortung gezogen werden, wenn beide unterschiedliche Personen sind. Erfahrungsgemäß prüft die Behörde bei der Strafbemessung auch, wie lange die Frist bereits überschritten ist und ob das Fahrzeug erkennbare technische Mängel aufweist.
Bei Fahrten ins Ausland gilt die österreichische Toleranzfrist grundsätzlich nicht. Viele Nachbarländer erkennen sie nicht an oder haben eigene, oft kürzere Regelungen – wer mit knapp abgelaufenem Pickerl über die Grenze fährt, sollte das vorher genau prüfen.
KFZ-Expertentipp: Erfahrene Prüftechniker empfehlen, den Begutachtungstermin nicht bis zum letzten Tag der Toleranzfrist aufzuschieben. Wird bei der Begutachtung selbst ein Mangel festgestellt, bleibt sonst kaum noch Zeit für eine Nachbesserung, bevor die Kulanzfrist endgültig verstrichen ist.
Gut zu wissen: Nach Ablauf der Toleranzfrist drohen Verwaltungsstrafen nach dem KFG. Die genaue Höhe legt die Bezirksverwaltungsbehörde im Einzelfall fest – Lenker und Zulassungsbesitzer können getrennt haften.
Pickerl nicht bestanden – was passiert jetzt?
Fällt dein Fahrzeug bei der §57a-Begutachtung durch, entscheidet die Mängelkategorie über die Frist. Bei einem erheblichen Mangel bleiben maximal zwei Monate zur Nachbesserung – bei Gefahr im Verzug wird das Fahrzeug sofort aus dem Verkehr gezogen.
Die Begutachtungsstelle stellt bei jedem geprüften Fahrzeug ein Gutachten aus, bevor allfällige Mängel behoben wurden. Bei einem erheblichen Mangel gibt es zunächst keine Plakette. Du darfst das Fahrzeug aber noch bis zu zwei Monate nutzen, um die Nachbesserung zu erledigen und eine Nachbegutachtung durchführen zu lassen – diese Frist endet jedoch spätestens mit der auf der bisherigen Plakette angegebenen Frist (§ 57a Abs. 5a KFG), je nachdem, welcher Zeitpunkt früher eintritt.
Anders bei „Gefahr im Verzug“: Wird ein Mangel festgestellt, der die Verkehrssicherheit unmittelbar gefährdet – etwa ein Bremsversagen oder tragende Rostschäden –, darf das Fahrzeug ab sofort nicht mehr weiterbewegt werden. Hier bleibt keine Zwei-Monats-Frist, die Stilllegung gilt unverzüglich.
Bei nur geringfügigen Mängeln bekommt das Fahrzeug die Plakette trotzdem – du musst die Mängel aber innerhalb einer gesetzten Frist eigenständig beheben lassen, eine gesonderte Nachbegutachtung ist dafür in der Regel nicht nötig.
| Mängelkategorie | Plakette? | Frist zur Behebung |
|---|---|---|
| Geringfügig | Ja | Eigenständig beheben, keine Nachbegutachtung nötig |
| Erheblich | Nein | Max. 2 Monate, längstens bis Ablauf der bisherigen Plakette |
| Gefahr im Verzug | Nein | Sofortige Stilllegung, keine Frist |
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Gut zu wissen: Bei einem erheblichen Mangel bleiben maximal zwei Monate für die Nachbegutachtung. Bei Gefahr im Verzug entfällt diese Frist – das Fahrzeug darf sofort nicht mehr bewegt werden.
✗ Falsch
Das abgelaufene Pickerl einfach aussitzen und darauf hoffen, dass eine Kontrolle ausbleibt.
✓ Richtig
Innerhalb der viermonatigen Toleranzfrist einen Termin bei einer akkreditierten Prüfstelle vereinbaren – danach drohen Verwaltungsstrafen nach dem KFG.
✗ Falsch
Nach einem „nicht bestanden“ das Fahrzeug einfach im bisherigen Zustand weiterfahren.
✓ Richtig
Bei einem erheblichen Mangel innerhalb der Zweimonatsfrist reparieren und nachbegutachten lassen – bei Gefahr im Verzug das Fahrzeug sofort stehen lassen.
✗ Falsch
Nach einem Unfall mit abgelaufenem Pickerl den Fahrzeugzustand verschweigen oder Belege gar nicht erst sichern.
✓ Richtig
Den Vorfall wahrheitsgemäß der Versicherung melden und den Zustand von Reifen, Bremsen und Beleuchtung zeitnah dokumentieren.
Nicht einverstanden mit dem Ergebnis? Deine Möglichkeiten
Die §57a-Begutachtung ist ein technisches Gutachten, keine behördliche Ermessensentscheidung. Zweifelst du an der Einschätzung, ist eine zweite Begutachtung an einer anderen akkreditierten Prüfstelle der übliche Weg – ein formelles Einspruchsverfahren wie bei einem Bescheid gibt es dafür nicht.
Weil die Begutachtung auf einer technischen Feststellung des Prüftechnikers beruht, unterscheidet sie sich von einer Verwaltungsstrafe, gegen die du bei der Bezirksverwaltungsbehörde formal Einspruch erheben kannst. Bei einem strittigen Mängelbefund ist der praxisnahe Weg eine Zweitbegutachtung bei einer anderen akkreditierten Stelle – etwa bei einer anderen Werkstatt, dem ÖAMTC oder dem ARBÖ.
Hilfreich ist es, den beanstandeten Mangel vor der Zweitbegutachtung zu dokumentieren – mit Fotos und, wenn vorhanden, dem schriftlichen Gutachten der ersten Prüfstelle. So kann die zweite Stelle gezielt nachvollziehen, worauf sich die Beanstandung bezogen hat.
Bleibt der Streit ungeklärt, etwa weil du vermutest, dass die Werkstatt fehlerhaft gearbeitet oder unnötige Reparaturen empfohlen hat, bewegst du dich im Bereich des Zivilrechts beziehungsweise des Konsumentenschutzes – hier helfen die Konsumentenschutzabteilungen der Arbeiterkammer oder eine rechtliche Beratung weiter.
Gut zu wissen: Ein technisches Gutachten ist keine Ermessensentscheidung einer Behörde. Bei Zweifeln an der Einschätzung ist eine zweite Begutachtung an einer anderen akkreditierten Prüfstelle der übliche Weg.
Versicherungsschutz bei einem Unfall mit abgelaufenem Pickerl
Ein abgelaufenes oder nicht bestandenes Pickerl hebt deinen Versicherungsschutz nicht automatisch auf. Die Haftpflichtversicherung tritt bei einem Unfall grundsätzlich weiterhin für Dritte ein – Regressansprüche gegen dich sind aber möglich, wenn ein prüfrelevanter Mangel den Unfall mitverursacht hat.
Die KFZ-Haftpflichtversicherung ist in Österreich Pflichtversicherung und schützt in erster Linie geschädigte Dritte. Ein abgelaufenes Pickerl allein ändert daran grundsätzlich nichts – die Versicherung reguliert den Schaden gegenüber dem Unfallgegner zunächst wie gewohnt. Kann die Versicherung aber nachweisen, dass ein technischer Mangel, den eine rechtzeitige Begutachtung aufgedeckt hätte – etwa abgefahrene Reifen, eine defekte Bremsanlage oder ausgefallene Beleuchtung – den Unfall mitverursacht hat, ist ein Regress gegen den Zulassungsbesitzer oder Lenker möglich.
Bei der Kaskoversicherung sieht es ähnlich aus: Steht der Schaden in keinem Zusammenhang mit dem abgelaufenen Pickerl – etwa bei Hagelschaden oder Diebstahl –, bleibt der Versicherungsschutz in der Regel unberührt. Geht es hingegen um einen Unfall, der auf einen sicherheitsrelevanten Mangel zurückzuführen ist, kann der Versicherer die Leistung kürzen oder verweigern.
Kommt es zu einem Unfall, empfiehlt sich deshalb, den Vorfall wahrheitsgemäß zu melden und den Fahrzeugzustand – etwa Reifenprofil, Bremsen und Beleuchtung – möglichst zeitnah zu dokumentieren. Einen Überblick über KFZ-Versicherungen in Österreich und worauf beim Abschluss zu achten ist, findest du in unserem Ratgeber zur KFZ-Versicherung.
KFZ-Expertentipp: In der Praxis prüfen Versicherungen bei einem Unfall mit abgelaufenem Pickerl gezielt, ob ein prüfrelevanter Mangel wie Bremsen oder Reifen ursächlich war. Ein zeitnah dokumentierter Fahrzeugzustand – am besten mit Fotos direkt nach dem Vorfall – kann im Streitfall entscheidend sein.
Gut zu wissen: Die Haftpflichtversicherung springt bei einem Unfall auch mit abgelaufenem Pickerl grundsätzlich für Dritte ein. Ein Regress gegen dich ist aber möglich, wenn ein nicht erkannter technischer Mangel den Unfall mitverursacht hat.
Sonderfälle: Taxis, Firmenfahrzeuge, Oldtimer & hinterlegte Kennzeichen
Nicht für jedes Fahrzeug gelten dieselben Fristen. Jährlich zu begutachtende Fahrzeuge wie Taxis und Omnibusse haben keine Toleranzfrist, historische Fahrzeuge ein längeres Prüfintervall von zwei Jahren – und bei hinterlegten Kennzeichen sollten Halter die Besonderheiten bei der Zulassungsstelle erfragen.
Taxis, Omnibusse und die übrigen jährlich zu begutachtenden Kraftfahrzeuge (zum Beispiel Lkw) unterliegen strengeren Regeln: Für sie gibt es keine Toleranzfrist nach Ablauf der Begutachtung (§ 57a Abs. 3 Z 1 KFG). Ein gewöhnlicher Firmen-Pkw der Klasse M1 wird dagegen wie ein Privat-Pkw behandelt. Für Mietwagen nennt § 57a KFG keine eigene Regel, maßgeblich sind Zulassungsart und Fahrzeugklasse laut Zulassungsschein. Wer ein Fahrzeug ohne Toleranzfrist betreibt, sollte den Begutachtungstermin daher deutlich vor dem Ablaufmonat einplanen.
Historische Fahrzeuge (Oldtimer) müssen laut § 57a Abs. 3 KFG nur alle zwei Jahre zur Begutachtung; für die Zeit nach dem Begutachtungsmonat gilt derselbe Zeitraum wie bei Pkw (bis zum Ablauf des vierten Kalendermonats).
Ein Saisonkennzeichen wie in Deutschland gibt es in Österreich nicht. Wer sein Fahrzeug im Winter stilllegt, hinterlegt die Kennzeichen bei der Zulassungsstelle. Wie das Hinterlegen abläuft, erklärt unser Ratgeber zum Kennzeichen-Hinterlegen; ob für die Hinterlegungszeit Besonderheiten bei der Begutachtung gelten, klärst du am besten bei der Zulassungsstelle.
Gut zu wissen: Für Taxis und Omnibusse gibt es keine Toleranzfrist. Oldtimer müssen nur alle zwei Jahre zur Begutachtung, der Vier-Monats-Zeitraum gilt auch für sie, bei hinterlegten Kennzeichen lohnt die Rückfrage bei der Zulassungsstelle.
Den vollständigen Gesetzestext zu §57a des Kraftfahrgesetzes (KFG 1967) – inklusive der Bestimmungen zu Mängelkategorien, Nachbegutachtungsfristen und Gefahr im Verzug – findest du im österreichischen Rechtsinformationssystem: §57a KFG auf RIS.bka.gv.at. Alles zu Ablauf, Kosten und der optimalen Vorbereitung auf die Begutachtung selbst findest du in unserem Pickerl-Ratgeber.
Änderungen ab 2027: längere Intervalle, anderer Zeitraum
Ab 19. Mai 2027 gilt für Pkw, Motorräder und leichte Anhänger das Schema 4-2-2-2-1, und der Zeitraum nach dem Plakettenmonat entfällt. Bis zu diesem Stichtag bleibt es bei den bisherigen Regeln, die in diesem Ratgeber beschrieben sind.
Grundlage ist die 42. KFG-Novelle. Der Nationalrat hat sie am 6. Juli 2026 beschlossen, der Bundesrat hat am 16. Juli 2026 zugestimmt, kundgemacht wurde sie am 29. Juli 2026 im Bundesgesetzblatt (BGBl. I Nr. 79/2026). Die neue Fassung von § 57a Abs. 3 KFG tritt am 19. Mai 2027 in Kraft.
Intervalle: Für Pkw (Klasse M1, ausgenommen Taxis sowie Rettungs- und Krankentransportfahrzeuge), Fahrzeuge der Klasse L, leichte Anhänger bis 3.500 kg und bestimmte landwirtschaftliche Fahrzeuge gilt künftig: erste Begutachtung vier Jahre nach der ersten Zulassung, danach dreimal im Abstand von zwei Jahren, anschließend jährlich. Bisher waren es drei Jahre, dann zwei Jahre, dann jährlich. Für historische Fahrzeuge (alle zwei Jahre) ändert die Novelle das Intervall nicht.
Zeitraum: Der neue Gesetzestext erlaubt die Begutachtung bis zu vier Monate vor dem vorgesehenen Begutachtungsmonat, ohne dass sich der nächste Termin verschiebt. Einen Zeitraum nach dem Begutachtungsmonat nennt die Bestimmung nicht mehr, die bisherigen vier Kalendermonate danach gelten ab dem 19. Mai 2027 daher nicht mehr.
Übergang: Die neuen Fristen gelten auch für Fahrzeuge, die schon vor dem 19. Mai 2027 zugelassen wurden. Hat dein Fahrzeug nach dem Stichtag eine längere Frist, als die Lochung der Plakette zeigt, kannst du bei einer Stelle, die Plaketten ausgibt, eine Austauschplakette verlangen, ohne dass eine Begutachtung nötig ist. Dafür fallen der Plakettenpreis und ein Kostenersatz von höchstens 10 Euro an. Bis zum Tausch zählt die Lochung der bisherigen Plakette. Eine Austauschplakette gibt es nicht, wenn das zuletzt gespeicherte Gutachten einen schweren Mangel oder Gefahr im Verzug ausweist. Für 2027 gilt zusätzlich: Bei einem Stichtag (Begutachtungsmonat laut Plakette) von Februar bis Juli bleiben die bisherigen Fristen auch nach dem 18. Mai 2027 bestehen, bei einem Stichtag von August bis Oktober gilt eine Verlängerung bis einschließlich November 2027.
Gut zu wissen: Bis einschließlich 18. Mai 2027 gelten die bisherigen Fristen unverändert, auch die Angaben zur Toleranzfrist weiter oben in diesem Ratgeber. Quelle: BGBl. I Nr. 79/2026 (42. KFG-Novelle) auf RIS.bka.gv.at, Stand: 8. Oktober 2026.
Häufige Fragen zu Pickerl-Strafen & Fristen
Wie lange darf ich mit abgelaufenem Pickerl noch fahren?
Für gewöhnliche Pkw (Klasse M1) gilt in Österreich eine Toleranzfrist von vier Monaten nach dem Ablaufmonat der Plakette, in der die Begutachtung nach § 57a Abs. 3 KFG noch nachgeholt werden darf, laut ÖAMTC erlaubt sie das Weiterfahren. Für Oldtimer gilt laut § 57a Abs. 3 KFG derselbe Zeitraum, bei einem Prüfintervall von zwei Jahren. Für Taxis, Omnibusse und die übrigen jährlich zu begutachtenden Fahrzeuge (zum Beispiel Lkw) gibt es diese Toleranzfrist nicht.
Welche Strafe droht bei abgelaufenem Pickerl in Österreich?
Nach Ablauf der Toleranzfrist drohen Verwaltungsstrafen nach dem Kraftfahrgesetz. Der Strafrahmen beträgt nach § 134 Abs. 1 KFG bis zu 10.000 Euro (laut ÖAMTC ein theoretischer Höchstbetrag), die genaue Höhe legt die zuständige Bezirksverwaltungsbehörde im Einzelfall fest. Sowohl Lenker als auch Zulassungsbesitzer können zur Verantwortung gezogen werden.
Ist mein Pickerl schon zu lange abgelaufen – wie hoch ist die Strafe nach 3 oder über 4 Monaten?
Innerhalb der Toleranzfrist – also auch bei 3 Monaten Verzug – darfst du laut ÖAMTC weiterfahren, die Nachbegutachtung solltest du aber möglichst rasch nachholen. Ist dein Pickerl bereits über 4 Monate abgelaufen, ist die Toleranzfrist vorbei: Ab diesem Zeitpunkt drohen bei einer Kontrolle Verwaltungsstrafen nach dem Kraftfahrgesetz (Strafrahmen bis zu 10.000 Euro), unabhängig vom technischen Zustand des Fahrzeugs. Für Taxis und Busse gilt diese Kulanz ohnehin nicht – hier drohen Konsequenzen bereits ab dem ersten Tag nach Fristablauf.
Was bedeutet ‚Pickerl nicht bestanden‘ und wie viel Zeit habe ich zur Nachbesserung?
Bei einem erheblichen Mangel bekommt das Fahrzeug zunächst keine Plakette, darf aber noch bis zu zwei Monate für die Nachbesserung genutzt werden – jedoch nicht über die auf der bisherigen Plakette angegebene Frist hinaus (§ 57a Abs. 5a KFG). Bei Gefahr im Verzug entfällt diese Frist, das Fahrzeug wird sofort aus dem Verkehr gezogen.
Bin ich bei einem Unfall mit abgelaufenem Pickerl noch versichert?
Die Haftpflichtversicherung springt bei einem Unfall grundsätzlich weiterhin für Dritte ein, auch wenn das Pickerl abgelaufen ist. Kann die Versicherung aber nachweisen, dass ein prüfrelevanter technischer Mangel den Unfall mitverursacht hat, ist ein Regress gegen dich möglich. Bei der Kaskoversicherung gilt Ähnliches: Ohne Zusammenhang zum Mangel bleibt der Schutz meist unberührt.
Kann ich gegen ein ’nicht bestanden‘-Ergebnis vorgehen?
Ein formelles Einspruchsverfahren wie bei einem behördlichen Bescheid gibt es dafür nicht, da die Begutachtung ein technisches Gutachten und keine Ermessensentscheidung ist. Bei Zweifeln an der Einschätzung ist eine zweite Begutachtung an einer anderen akkreditierten Prüfstelle – etwa bei ÖAMTC oder ARBÖ – der übliche Weg.
Gilt die Toleranzfrist auch für Taxis und Firmenfahrzeuge?
Nicht für alle. Für Taxis, Omnibusse und die übrigen jährlich zu begutachtenden Kraftfahrzeuge (zum Beispiel Lkw) gibt es keine Toleranzfrist nach Ablauf der §57a-Begutachtung. Ein gewöhnlicher Firmen-Pkw der Klasse M1 wird wie ein Privat-Pkw behandelt, für Mietwagen nennt § 57a KFG keine eigene Regel (maßgeblich sind Zulassungsart und Fahrzeugklasse laut Zulassungsschein). Fahrzeuge ohne Toleranzfrist müssen lückenlos über eine gültige Plakette verfügen, weshalb der Begutachtungstermin hier deutlich vor dem Ablaufmonat eingeplant werden sollte. Den allgemeinen Ablauf der §57a-Überprüfung erklärt unser Pickerl-Ratgeber.
Was ändert sich 2027 beim Pickerl?
Ab 19. Mai 2027 gilt für Pkw, Motorräder und leichte Anhänger statt 3-2-1 das Schema 4-2-2-2-1: erste Begutachtung nach vier Jahren, danach dreimal nach zwei Jahren, anschließend jährlich. Die Begutachtung ist dann bis zu vier Monate vor dem Plakettenmonat möglich, ein Zeitraum danach entfällt. Bis zum Stichtag gelten die bisherigen Regeln (BGBl. I Nr. 79/2026).
Fazit
Ein abgelaufenes oder nicht bestandenes §57a Pickerl hat in Österreich klare rechtliche Folgen – aber keine, vor denen man sich fürchten muss, wenn man die Fristen kennt. Für Pkw bleiben nach dem Plakettenmonat vier Monate Toleranzfrist, bei einem erheblichen Mangel zwei Monate zur Nachbesserung. Diese Regel gilt bis einschließlich 18. Mai 2027: Ab dem 19. Mai 2027 (BGBl. I Nr. 79/2026) darf die Begutachtung bis zu vier Monate vor dem vorgesehenen Monat erfolgen, ein Zeitraum danach entfällt. Die Übergangsregeln stehen im Abschnitt Änderungen ab 2027. Wer diese Fristen verstreichen lässt, riskiert Verwaltungsstrafen nach dem KFG und im Ernstfall sogar Nachteile beim Versicherungsschutz. Taxis und Omnibusse haben diese Kulanz gar nicht erst. Am sichersten fährst du, wenn du den Begutachtungstermin rechtzeitig einplanst und Mängel vor Fristablauf beheben lässt. Alles zu Ablauf, Kosten und der praktischen Vorbereitung auf die Begutachtung selbst findest du in unserem Pickerl-Ratgeber.
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