Vormerkdelikt Österreich – Liste, Folgen & Fristen

Welche Verstöße als Vormerkdelikt zählen, was die Eintragung im Führerscheinregister bedeutet und ab wann dein Führerschein in Gefahr ist.

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Vormerkdelikte in Österreich: Welche Verstöße im Führerscheinregister landen, was bei der zweiten und dritten Vormerkung droht und wann die Fristen laufen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Was: Eintragung im Führerscheinregister für bestimmte schwere Verkehrsverstöße nach §30a FSG – zusätzlich zur Verwaltungsstrafe
  • Kompatibilität: Gilt für alle Kraftfahrzeuglenker; reine Geschwindigkeitsübertretungen und Handy am Steuer stehen nicht auf der Liste
  • Schwierigkeit: Mittel – die Folgen hängen davon ab, wie viele Eintragungen gleichzeitig aktiv sind
  • Zeit: Beobachtungszeitraum: zwei Jahre ab Tatzeit, nach einem zweiten Delikt drei Jahre

Ein Vormerkdelikt bestraft dich nicht zweimal – es merkt sich nur jemand deinen Fehler. Die Behörde trägt den Verstoß ins Führerscheinregister ein, und beim nächsten Vorfall wird es teurer als gedacht.

Hier erfährst du, welche Verstöße in Österreich als Vormerkdelikt zählen. Dazu kommt, was nach der zweiten und dritten Vormerkung passiert und wie lange die Eintragung gegen dich zählt. Grundlage ist §30a des Führerscheingesetzes (FSG).

Was ist ein Vormerkdelikt?

Ein Vormerkdelikt ist ein schwerer Verkehrsverstoß, der nach §30a FSG zusätzlich zur Strafe als Vormerkung im Führerscheinregister eingetragen wird – auch ohne Entzug der Lenkberechtigung.

Das Vormerksystem soll Risikolenker früh erkennen, bevor etwas passiert. Es greift unabhängig von der Höhe der Strafe. Selbst wenn du eine kleine Geldstrafe zahlst, kann die Vormerkung im Register stehen.

Der Ablauf ist klar geregelt. Die Behörde wartet, bis das Verwaltungsstrafverfahren rechtskräftig abgeschlossen ist. Erst dann trägt die Behörde ein, die das Verfahren geführt hat. Bei einer gerichtlichen Verurteilung übernimmt das die Behörde deines Hauptwohnsitzes.

Die Vormerkung gilt allerdings ab dem Tag der Tat, nicht ab dem Tag der Eintragung. Das ist wichtig für die Fristen weiter unten. Außerdem muss dich schon der Strafbescheid in erster Instanz auf die Eintragung und ihre möglichen Folgen hinweisen.

Gut zu wissen: Die Vormerkung wird erst nach Rechtskraft eingetragen, zählt aber ab dem Tattag. Wer zu Unrecht vorgemerkt wurde, hat Anspruch auf sofortige Löschung (§30a Abs. 5 FSG).

Welche Delikte sind Vormerkdelikte?

Die Liste in §30a Abs. 2 FSG ist abschließend: Sie umfasst Alkohol am Steuer ab 0,5 Promille, Schutzweg-Gefährdung, knappen Abstand, Vorrang- und Rotlichtverstöße, Rettungsgassen-Verstöße und mehr.

Nur was im Gesetz steht, wird vorgemerkt. Die Tabelle fasst die Gruppen in verständlicher Sprache zusammen. Die Paragrafen stammen aus dem Gesetzestext, die Formulierungen sind vereinfacht.

Verstoß Rechtsgrundlage Bedingung laut Gesetz
Alkohol am Steuer ab 0,5 Promille (0,25 mg/l Atemluft) §14 Abs. 8 FSG Eigene Gruppe, bei höheren Werten kommen weitere Folgen dazu
Alkohol über 0,1 Promille bei Lenkern der Klassen C und D §20 Abs. 4 FSG Betrifft Lkw- und Buslenker
Fußgänger am Schutzweg gefährdet §9 Abs. 2 und §38 Abs. 4 StVO Nur wenn der Fußgänger den Schutzweg vorschriftsmäßig benutzt
Zu geringer Sicherheitsabstand §18 Abs. 1 StVO Messung mit technischem Gerät, Abstand ab 0,2 bis unter 0,4 Sekunden
Vorrang beim „Halt“-Zeichen missachtet §19 Abs. 7 und 4 StVO Andere Lenker müssen unvermittelt bremsen oder ausweichen
Rotlicht missachtet §38 Abs. 5 StVO Lenker mit grünem Licht müssen unvermittelt bremsen oder ausweichen
Pannenstreifen oder Rettungsgasse unerlaubt befahren §46 Abs. 4 lit. d und Abs. 6 StVO Mit mehrspurigen Fahrzeugen immer, mit einspurigen nur bei Behinderung von Einsatzfahrzeugen
Gefahrgut-Fahrverbote in Tunneln §52 lit. a Z 7e StVO und Verordnung BGBl. II 395/2001 Betrifft Transporte mit gefährlichen Gütern
Verstöße an Eisenbahnkreuzungen Eisenbahnkreuzungsverordnung 2012 Bestimmte Tatbestände in §96 und §99
Fahrzeug in gefährlichem Zustand oder falsch gesicherte Ladung §102 Abs. 1 KFG Der Mangel hätte dir vor Fahrtantritt auffallen müssen
Kinder nicht richtig gesichert §106 Abs. 5 und 6 KFG Kinder bis 14 Jahre: ab 135 cm Gurt, darunter Rückhalteeinrichtung

Zwei Punkte aus der Liste betreffen viele Familien. Erstens die Rettungsgasse: Wer sie missachtet, riskiert neben der Strafe eine Eintragung. Mehr dazu in unserem Ratgeber zur Rettungsgasse. Zweitens die Kindersicherung, die wir im Ratgeber zur Kindersitzpflicht in Österreich erklären.

Gut zu wissen: Mehrere Verstöße aus der Liste, die du mit einer Handlung begehst (Tateinheit), zählen nur als eine Vormerkung. Dann kann trotzdem sofort eine besondere Maßnahme angeordnet werden.

Was ist kein Vormerkdelikt?

Handy am Steuer und normale Geschwindigkeitsübertretungen stehen nicht auf der Vormerkliste. Bei extremem Tempo droht der Führerschein trotzdem – über eine eigene Regel in §7 FSG.

Viele Lenker halten Tempo und Handy für Vormerkdelikte. Das stimmt nach dem Gesetzestext nicht. Beide Verstöße kosten Geld, aber sie landen nicht über §30a im Register. Das heißt nicht, dass sie folgenlos bleiben.

Bei Tempo gilt eine eigene Schwelle: mehr als 40 km/h zu schnell im Ortsgebiet oder mehr als 50 km/h außerhalb. Bei einer Messung ist das eine „bestimmte Tatsache“ nach §7 Abs. 3 FSG. Das kann zum Verlust der Lenkberechtigung führen. Die Grenzwerte und Strafen im Detail findest du im Ratgeber zum Tempolimit in Österreich.

Auch Alkohol hat zwei Ebenen. Der Bereich ab 0,5 Promille ist ein Vormerkdelikt. Bei höheren Werten greifen zusätzlich strengere Regeln bis zum Entzug. Alle Grenzwerte erklärt der Ratgeber zu Alkohol am Steuer.

KFZ-Expertentipp: Fachleute empfehlen, im Strafbescheid zuerst den Absatz zur Vormerkung zu suchen und erst danach die Strafhöhe zu bewerten. Die Geldstrafe ist einmalig, die Eintragung wirkt dagegen bis zu drei Jahre auf jede weitere Übertretung aus der Liste.

Was passiert bei mehreren Vormerkungen?

Eine Vormerkung allein hat keine Zusatzfolge. Bei der zweiten ordnet die Behörde eine besondere Maßnahme an, und bei einem weiteren Delikt droht der Entzug für mindestens drei Monate.

Das System arbeitet in Stufen. Entscheidend ist, wie viele „zu berücksichtigende“ Vormerkungen aktuell zählen. Das sind nur Delikte, die innerhalb von zwei Jahren begangen wurden. Kommt in diesen zwei Jahren ein zweites Delikt dazu, verlängert sich der Zeitraum auf drei Jahre.

Stand Folge Rechtsgrundlage
Erste Vormerkung Eintrag im Führerscheinregister, keine Zusatzmaßnahme §30a Abs. 1 FSG
Zwei Delikte in Tateinheit oder zweite zu berücksichtigende Vormerkung Behörde ordnet eine besondere Maßnahme an (zum Beispiel Nachschulung) §30b Abs. 1 FSG
Weiteres Delikt bei bereits zwei Eintragungen oder nach einer angeordneten Maßnahme Verkehrsunzuverlässigkeit, Entzug der Lenkberechtigung für mindestens drei Monate §7 Abs. 3 Z 14 und 15, §25 Abs. 3 FSG

Beim Entzug gibt es einen zusätzlichen Haken. Bestehen bereits Vormerkungen, verlängert die Behörde die Entziehungsdauer pro Eintragung um zwei Wochen. Ausgenommen sind Entziehungen, die auf der dritten Vormerkung oder einer Missachtung der Maßnahme beruhen. Die Vormerkungen, die zum Entzug geführt haben, zählen danach nicht mehr.

Für Führerscheinneulinge gilt eine Sonderregel. Ordnet die Behörde schon eine Nachschulung nach §4 Abs. 3 FSG an, sieht sie von der besonderen Maßnahme ab.

Gut zu wissen: Wer eine angeordnete Maßnahme nicht fristgerecht absolviert oder nicht mitarbeitet, verliert die Lenkberechtigung bis zur Befolgung (§30b Abs. 5 FSG).

Welche besonderen Maßnahmen gibt es?

Als besondere Maßnahmen nennt §30b FSG sechs Möglichkeiten: Nachschulung, Perfektionsfahrt, Fahrsicherheitstraining, Ladungssicherungs-Seminar, Erste-Hilfe-Unterweisung und Kindersicherungskurs.

Die Behörde setzt die Maßnahme fest und achtet darauf, dass sie zum Delikt passt. Wer Kinder falsch gesichert hat, besucht eher einen Kindersicherungskurs. Wer wegen eines Ladungsmangels aufgefallen ist, bekommt ein Seminar zur Ladungssicherung.

  • Verkehrspsychologische Nachschulung
  • Perfektionsfahrt
  • Fahrsicherheitstraining
  • Vortrag oder Seminar zur Ladungssicherung
  • Unterweisung in lebensrettenden Sofortmaßnahmen
  • Kurs zur Kindersicherung im Auto

Nach der Teilnahme legst du der Behörde eine Bestätigung der Einrichtung vor. Darin muss stehen, dass du teilgenommen und mitgearbeitet hast. Die Kosten legt eine Verordnung fest, die Höhe hängt von der Maßnahme ab.

✗ Falsch

Den Termin für die angeordnete Maßnahme verstreichen lassen, weil „ohnehin nichts passiert“.

✓ Richtig

Die Frist im Bescheid sofort notieren und frühzeitig einen Platz buchen. Wer die Anordnung nicht befolgt, verliert die Lenkberechtigung bis zur Teilnahme.

Wie lange zählt die Vormerkung und was kannst du tun?

Für die Folgen zählen nur Delikte der letzten zwei Jahre, bei einem zweiten Delikt drei Jahre; zu Unrecht eingetragene Vormerkungen müssen sofort gelöscht werden.

Die Frist beginnt mit dem Tag der Tat. Deshalb lohnt es sich, das Tatdatum aus dem Strafbescheid zu notieren. Liegt das erste Delikt mehr als zwei Jahre zurück, löst ein neues Delikt keine besondere Maßnahme aus.

Gegen einen Strafbescheid kannst du dich wehren. Gegen eine Strafverfügung erhebst du Einspruch, gegen ein Straferkenntnis Beschwerde beim Landesverwaltungsgericht. Die Fristen stehen im Bescheid. Solange das Verfahren läuft, trägt die Behörde nichts ein, weil die Rechtskraft fehlt.

Stellt sich später heraus, dass die Vormerkung zu Unrecht erfolgte, muss die Behörde die Eintragung unverzüglich löschen. Den Gesetzestext zu §30a FSG findest du im Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS).

Wenn dir wegen einer Eintragung auch eine verkehrspsychologische Untersuchung droht, hilft unser Ratgeber zur verkehrspsychologischen Untersuchung. Einen Überblick über Strafhöhen liefert der Bußgeldkatalog Österreich.

KFZ-Expertentipp: In der Praxis zeigt sich: Wer einen Strafbescheid bekommt, sollte ihn mit dem Gesetzestext abgleichen. Nicht jeder Verstoß, der ähnlich klingt, ist ein Vormerkdelikt. Eine kurze Rechtsauskunft vor Ablauf der Rechtsmittelfrist spart im Zweifel einen Entzug.

Häufige Fragen zum Vormerkdelikt in Österreich

Ist zu schnelles Fahren ein Vormerkdelikt?

Nein, die Geschwindigkeitsübertretung steht nicht in der Liste des §30a FSG. Bei sehr hohen Überschreitungen (Ortsgebiet mehr als 40 km/h, Freiland mehr als 50 km/h) droht aber der Entzug nach §7 FSG. Mehr dazu im Ratgeber zum Tempolimit.

Ist Handy am Steuer ein Vormerkdelikt?

Nein, die Handynutzung ohne Freisprecheinrichtung kommt in §30a Abs. 2 FSG nicht vor. Sie wird als Verwaltungsübertretung bestraft. Details zu den Regeln findest du im Ratgeber zu Handy am Steuer.

Wann trägt die Behörde die Vormerkung ein?

Erst wenn das Verwaltungsstrafverfahren rechtskräftig abgeschlossen ist. Die Vormerkung gilt aber ab dem Tag der Tat. Im Strafbescheid muss die Behörde dich auf die Eintragung hinweisen.

Was passiert bei der zweiten Vormerkung?

Innerhalb von zwei Jahren ordnet die Behörde eine besondere Maßnahme an, etwa eine Nachschulung oder ein Fahrsicherheitstraining. Gleiches gilt, wenn du zwei Delikte in Tateinheit begehst. Wirst du danach erneut auffällig, droht der Führerscheinentzug.

Wie lange zählt eine Vormerkung?

Für die Rechtsfolgen zählen Delikte innerhalb von zwei Jahren. Kommt ein zweites dazu, verlängert sich der Zeitraum auf drei Jahre. Zu Unrecht eingetragene Vormerkungen löscht die Behörde unverzüglich.

Was kostet eine besondere Maßnahme?

Die Kosten sind per Verordnung geregelt (§30b Abs. 6 FSG) und hängen von der Maßnahme ab. Die genaue Höhe erfährst du bei der Behörde oder der Einrichtung, die die Maßnahme durchführt.

Rechtlicher Hinweis: Diese Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine Rechtsberatung dar. Für verbindliche Auskünfte wende dich bitte an einen Rechtsanwalt, die Bezirkshauptmannschaft oder die zuständige Behörde. Gesetze und Verordnungen können sich ändern – prüfe immer die aktuell geltende Fassung auf RIS.bka.gv.at.

Fazit

Ein Vormerkdelikt kostet dich nicht sofort den Führerschein – es verkürzt aber deinen Spielraum. Entscheidend ist der Tattag: Ab ihm laufen zwei Jahre, nach einem zweiten Delikt drei. Notiere dir das Datum aus dem Strafbescheid und prüfe, ob dein Verstoß wirklich auf der Liste des §30a FSG steht. Tempo und Handy tun es nicht. Bei der zweiten Vormerkung ordnet die Behörde eine Maßnahme an, die du fristgerecht absolvieren musst. Beim nächsten Delikt droht der Entzug von mindestens drei Monaten. Wer die Frist im Bescheid ernst nimmt und früh Rechtsrat holt, bleibt aus dieser Stufenleiter heraus.

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